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Blau statt Behauptung: Wie eine Laboranalyse Ihren Supplemente-Kauf auf die Probe stellt

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Blau statt Behauptung: Wie eine Laboranalyse Ihren Supplemente-Kauf auf die Probe stellt

Photo: , Public domain, via Wikimedia Commons

Auf dem Etikett steht 500 Milligramm. Im Labor kommen 412 an – oder im schlechtesten Fall 40. Supplemente unterliegen in Deutschland nicht den strengen Kontrollen von Arzneimitteln, und genau diese Lücke macht sich so mancher Hersteller zunutze. Wir haben drei Bestseller aus der Drogerie und einem Online-Shop anonym einschicken lassen – zu einem akkreditierten Labor, wie es auch die Industrie selbst nutzt.

Was das Labor tatsächlich untersucht hat

Im Auftrag bestellten wir zwei Parameterblöcke. Erstens die Wirkstoffbestimmung: Enthält das Produkt wirklich die deklarierte Menge? Bei Magnesium, Vitamin D und Omega-3 ist das per HPLC bzw. ICP-MS gut messbar. Zweitens die Reinheit: Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber, dazu mikrobiologische Parameter und – bei Kapseln – der Check auf unerwünschte Verunreinigungen.

Die Ergebnisse im Kurzüberblick: Ein Magnesiumprodukt lag mit 92 Prozent der Deklaration im tolerierbaren Bereich. Ein Vitamin-D-Tropfen übertraf die Angabe deutlich – ein Problem, weil bei fettlöslichen Vitaminen eine regelmäßige Überdosierung nicht harmlos ist. Ein Fischöl-Kapselprodukt fiel durch einen hohen Peroxidwert auf: Das Öl war bereits merklich oxidiert, also ranzig.

Einsendetest selbst anordnen: So geht es

Sie müssen kein Großunternehmen sein, um ein Produkt prüfen zu lassen. Mehrere deutsche und niederländische Labore bieten Privatkunden sogenannte Einsende-Analysen an, oft ab etwa 150 bis 400 Euro je nach Parameterumfang.

  1. Labor mit Akkreditierung wählen – das Kürzel ISO/IEC 17025 auf der Website ist Pflicht, alles andere ist Geschmackssache des Anbieters.
  2. Parameter festlegen: Wirkstoffgehalt allein genügt nicht; bei Ölen lohnt sich der Oxidationscheck (peroxidierbare Lipide, Anisidinzahl), bei Pulvern die Mikrobiologie.
  3. Originalverpackung einsenden, möglichst mehrere Packs aus verschiedenen Chargen – ein Einzelbefund sagt wenig über die Serienqualität.
  4. Schriftlichen Bericht anfordern, inklusive Messunsicherheit. Werte ohne Unsicherheitsangabe sind wissenschaftlich kaum verwertbar.

Was ein Analysenzertifikat aussagt – und was nicht

Ein CoA (Certificate of Analysis) ist ein Momentaufnahme-Dokument. Es belegt, dass eine bestimmte Charge einer bestimmten Probe zum Messzeitpunkt bestimmte Werte aufwies. Es sagt nicht aus:

Vorsicht auch bei CoAs, die Hersteller auf ihrer Website präsentieren: Ohne Chargennummer und Laboradresse sind sie wertloses Dekor.

Warum der Preis wenig verrät

In unserem kleinen Feldversuch war das teuerste Produkt nicht das genaueste. Preis setzt sich aus Marketing, Vertrieb, Verpackung und Marge zusammen – der Wirkstoff selbst macht bei vielen Produkten einen Bruchteil des Verkaufspreises aus. Ein hoher Preis ist also kein Beleg für Reinheit, ein niedriger kein Beleg für Schmähware. Verlässlicher sind: akkreditierte Eigenüberwachung des Herstellers, transparente Rohstoffquellen und das Bereitstellen aktueller, chargenspezifischer CoAs auf Nachfrage.

Fazit für die Regalentscheidung

Wer regelmäßig Supplemente einnimmt, muss nicht für jedes Produkt 300 Euro ins Labor investieren. Sinnvoll ist die Stichprobe aber bei Produkten, die Sie dauerhaft und in relevanten Dosen nutzen – und bei Anbietern, die auf Nachfrage keine belastbaren Dokumente liefern. Wissenschaft beginnt nicht mit der Einnahme, sondern mit der Frage, was eigentlich in der Kapsel drin ist.

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